ᚺᛖᛚ

Hel - die Herrin der drei Gesichter
In einer längst vergangenen Nacht fanden die Toten des Harzes ihren Weg nicht mehr. Die Menschen hatten alte Brunnen verschlossen, heilige Holunder gefällt und die Namen ihrer Ahnen vergessen. So irrten die Seelen durch die Wälder und sammelten sich unterhalb des Brockens.
Selbst Wodan und die Wilde Jagd konnten sie nicht fortführen, denn das Tor zwischen den Welten war verschlossen.
Da öffnete sich der Berg, und eine Frau trat hervor.
Ihr erstes Gesicht war jung und voller Leben. Man nannte es Hulda, die Hüterin der Erde, der Kinder und alles Neuen.
Ihr zweites Gesicht war alt und weiß wie der Winter. Es war Holle, die über Ordnung, Arbeit und die Ruhe der Natur wachte.
Ihr drittes Gesicht war halb lebendig und halb tot. Es gehörte Hel, der unerbittlichen Wächterin der Verstorbenen.
„Wir sind keine Schwestern“, sprach sie mit drei Stimmen. „Wir sind drei Gesichter derselben Macht. Hulda bewahrt, was geboren wird. Holle schützt, was ruhen muss. Hel empfängt, was diese Welt verlässt.“ Sie öffnete das Tor im Brocken und führte die verlorenen Seelen hindurch. Danach schüttelte Holle ihren weißen Mantel aus, und Schnee bedeckte den Harz. Unter ihm legte Hulda neues Leben in die Erde, während Hel das Reich der Toten wieder verschloss. Seitdem zieht die dreigesichtige Herrin mit der Wilden Jagd durch die Nächte.
Wer Gutes getan hat, dem erscheint Hulda.
Wer gewarnt werden muss, begegnet Holle.
Doch wer die Toten verspottet und das Leben missachtet, sieht das Gesicht der Hel.



